Lebensraum Langstreckhof | Breitenbrunn am Neusiedler See


Nutzflächen:
Wohnbereich: 224,94 m²
Ferienunterkünfte: 72,39 m2
sonstige Räumlichkeiten: 77,54 m2 (Haustechnik, Werkstatt, Weinkeller, Abstellraum, Heuboden)
Outdoor-Wellnessanlage und Scheune: 147,28 m2
Hofzeile und Garten: ca. 720 m2
Ort: Breitenbrunn am Neusiedler See
Besonderheiten: Denkmalschutz, alter Langstreckhof
Status: Einreichplanung


Einen alten Langstreckhof in den Lebensraum einer vierköpfigen Familie zu verwandeln, der zeitgemäßen Wohnbedürfnissen genauso wie dem Denkmalschutz gerecht wird, ist eine ganz besondere Aufgabe.

Auf der einen Seite stand die Ehrfurcht vor der historischen Substanz, auf der anderen Seite die Vision, ausreichend Tageslicht in die alten Räumlichkeiten zu bringen. Zur Leidenschaft von plusminusnull Architektur gesellte sich das Glück, mit Bauherren zusammenarbeiten zu dürfen, die sich nicht nur offen gegenüber neuen Ideen zeigten, sondern gleichzeitig auch über eine hohe Vorstellungskraft sowie einen ausgeprägten Sinn für Design verfügten.

Der älteste Teil des Gebäudekomplexes stammt aus dem Mittelalter und sitzt an der nordwestlichen Grundstücksgrenze. Die Anlage der Räume lässt vermuten, dass es sich ursprünglich um ein dreizoniges Haus handelte, bestehend aus einer nach der Straße ausgerichteten Stube, einer mittig gelegenen Rauchküche und einer Kammer zur Lagerung von Lebensmitteln.

Nicht anders als früher dient der mittlere Raum weiter der Erschließung. Das Ambiente ist urig, von Backsteingewölben und Verwinkelungen geprägt, die alte Rauchkuchl wird als begehbare Garderobe genützt, in die Nische gesetzt finden sich weiter eine Toilette sowie ein Abstellraum.

Im Barockzeitalter wurde das Haus aufgestockt. Die neu geschaffenen Räumlichkeiten im Obergeschoß wurden aller Wahrscheinlichkeit zum Schlafen genutzt, gleichzeitig wurde aus der zuvor einfachen Stube im Erdgeschoß ein repräsentativer Saal mit Kreuzgewölbe. Diesem Saal zu seinem ursprünglichen Glanz zu verhelfen steht repräsentativ für das gesamte Projekt. Einem Tisch und Stühlen wird er Platz bieten, mehr nicht, vielleicht noch ein paar Accessoires - Fundstücken vielleicht, auf die der Bauherr im Zuge der Entrümpelung gestoßen ist und die vom früheren Leben auf dem Hof erzählen. Die spärliche Möblierung lässt den Raum wirken, das Gewölbe und den in Kies verlegten Natursteinboden, umgekehrt dient der Raum den ausgewählten Möbel- und Fundstücken als Szenerie. Besondere Anlässe und Feiern finden hier ihren würdigen, exzeptionellen Rahmen.

Vom Entrée aus nach rechts geht es in die ehemalige Kammer, die der Familie heute als Rückzugsort dient. Unter dem mittelalterlichen Tonnengewölbe wird gemütlich zusammengesessen, gelesen, geplaudert oder ferngesehen. Der ehemals dunkle Raum erhält neues Licht durch ein vergrößerten Kastenfenster sowie das zur Rechten neu geschaffene Atrium.

Letzteres befindet sich dort, wo das Bundesdenkmalamt das einstige Brunnenhaus vermutet. Den Umstand, dass dessen alte Mauern jedoch längst nicht erhaltenswerten Schalsteinen gewichen waren, nutzte plusminusnull Architektur, um den Dreh- und Angelpunkt des Entwurfes zu schaffen: bis auf die tragende Rückwand wird dieser nichterhaltenswerte Hausteil abgerissen und so Platz für ein Atrium sowie ein Treppenhaus geschaffen.

Die wichtigste Funktion dieses hinter die Gebäudeflucht zurückgezogenen Atriums besteht darin, Licht in die umliegenden Räume zu bringen, gleichzeitig eröffnet es spannende Aus- und Durchblicke. Die bäuerliche, gärtnerische Ausgestaltung kontrastiert die industrielle Verglasung des Treppenhauses, über welches sich die Wohnküche im Erdgeschoß mit dem Wohnzimmer und über eine Stahltreppe mit den Kinderzimmern im Obergeschoß verbindet.

Gekocht und gegessen wird großzügig - in einem ehemaligen Wirtschaftsgebäude, dessen baufälliger Dachstuhl zwar erneuert werden muss, jedoch wieder mit den vorhandenen, alten Wiener Taschen gedeckt wird. Die Decke wird herausgenommen, der Blick nach oben auf die Sparren und Zangen freigegeben. Zusätzlich zu zwei alten Sprossenfenstern und einem dem Atrium zugewandten Sitzfenster sorgen drei Dachflächenfenster für Erhellung.

Im Erdgeschoß schließt sich das Schlafzimmer der Eltern an. Achsig steht das Bett zwischen den bestehenden, alten Kastenfenstern, als hätte dies immer schon so sein sollen. Hinter das Betthaupt zurückgezogen finden sich die Kleiderschränke, ein Raumteiler sorgt für eine optische Trennung. Im Nebenraum steht die Badewanne frei vor dem Fenster, daneben lockt ein Ausgang im Sommer ins Freie. Gegenüber finden sich die Waschbecken, versteckt hinter Teilen einer Bestandswand die Toilette bzw. die Dusche. Aufputzleitungen aus Kupfer vereinen industriellen Charme mit einem Hauch von Luxus.

Das Obergeschoß ist das Reich der beiden Mädchen. Zwischen den beiden Zimmern liegen ein gemeinschaftlicher Wohn- und Musizierraum sowie ein sich geschickt in die Räumlichkeiten fügendes Bad. Durch die einfache Installation einer Küche kann hier in Zukunft eine voll ausgestattete Wohnung mit separatem Auf- und Zugang geschaffen werden.

Das an der südöstlichen Grundstücksgrenze sitzenden Gebäude beherbergt ein Ferienzimmer mit Bad sowie im Obergeschoß eine Ferienwohnung. Die sich ins Souterrain senkenden Räume bieten Platz für die Haustechnik, einen wunderschönen Weinkeller sowie einen Abstellraum, von dem aus eine Treppe hinauf in den ehemaligen Heuboden führt, in welchem die Mädchen basteln und nach Herzenslust mit Farbe experimentiert dürfen.

Zu der einzigartigen Atmosphäre des Projektes tragen nicht zuletzt die liebevoll gestalteten Außenbereiche bei. Von der Sauna aus geht es hinaus in einen vor fremden Blicken geschützten und von Blattschmuckpflanzen gezierten Innenhof. Eine Treppe führt sowohl zu einer in einer Ruine versteckten Außendusche als auch zu einer teilüberdachten Relaxlaube. Von dieser aus geht es weiter auf eine freie, sich an einen Schwimmteich fügende Sonnenterrasse.

Die gegenüber gelegene, offene Scheune mit angeschlossener Toilette lädt in lauen Sommernächten, wenn ringsum die Grillen zirpen, zum gemütlichen Zusammensitzen mit Freunden ein.


Erbrachte Leistungen:

  • Vorentwurf, Entwurf
  • Einreichplanung