Alte Bausünden | Furt bei Göttweig


Wohnnutzfläche: 172,24 m²
Heizwärmebedarf: 41,69  kWh/m²a
Ort: Furth bei Göttweig
Besonderheiten: Umbau, Hochwassergebiet
Status: in Bauvorbereitung


Stellen Sie sich vor, Sie wollen ein Haus kaufen. Sagen wir, in der Nähe von Krems an der Donau. Das Haus ist eingeschoßig und eigentlich etwas zu klein für Ihre vierköpfige Familie, doch dieses Problem ließe sich mit dem Ausbau des Daches leicht lösen. Weil Sie kein Mensch sind, der etwas überstürzt, vor allem, wenn es um so etwas Großes wie das künftige Zuhause geht, suchen Sie den Kontakt zur Baubehörde, erzählen von Ihren Plänen und erkundigen sich, ob mit dem Haus baurechtlich alles passt. Nachdem man Ihnen dies zusichert, machen Sie den Deal klar und kaufen das Haus. Sie verlassen die Hauptstadt, um fortan umringt von Weingärten zu leben, melden die Kinder in passenden Schulen in Krems an und treten Ihre neue Arbeit an. Nach der ersten Eingewöhnung begeben Sie sich auf die Suche nach einem Architekten oder einer Architektin und haben Glück: die Zusammenarbeit funktioniert bestens, der Vorentwurf begeistert Sie. Da das Grundstück aber klein ist und es um jeden Zentimeter geht, und Ihr Architekt keinesfalls etwas anbrennen lassen möchte, wird ein Geometer beauftragt, das Bestandshaus und dessen Lage auf dem Grundstück auf den Zentimeter genau zu vermessen. Dessen bittere Erkenntnis: das Haus steht etwas anders da als es der Einreichplan aus annodazumal behauptet, vor allem leider weniger als drei Meter von der Grundgrenze entfernt.[1]

Die Folgen: Der Ausbau des Dachgeschoßes ist in der geplanten Form nicht möglich, ein von der Baubehörde geforderter Rücksprung kommt einer ästhetischen Katastrophe gleich.

Das Gute: Ihr Architekt nimmt die Herausforderung an, steht Ihnen in allen Diskussionen zur Seite und entwirft schließlich mit viel Fingerspitzengefühl ein neues Dachgeschoß, das weder das Haus noch die Baubehörde ihre Gesichter verlieren lässt.

Wie so oft ist es die Lage der Treppe, die sich als Dreh- und Angelpunkt des Entwurfs und gleichzeitig als Schlüssel für den Erfolg erweist. Das Treppenhaus sitzt an der Außenmauer, und wird über einen neu zu errichtenden, mit Holz verschalten Windfang erschlossen. Während der eine Treppenlauf den Sockel überwindet und das Erdgeschoß erschließt, führt der andere in den Keller - der Platz, den die ehemalige Kellertreppe eingenommen hat, konnte dem nach Süden verlegten, offenen Koch- Ess- und Wohnbereich zugeordnet werden. Außer diesem finden sich im Erdgeschoß eine großzügige Garderobe, ein Büro bzw. Gästezimmer sowie ein Bad und eine separate Toilette.

Die über ein Dachflächenfenster direkt von oben Licht beziehende Treppe mündet im Dachgeschoß in einen zentralen Vorraum, von dem aus sämtliche Zimmer separat begangen werden können: die beiden Kinderzimmer, denen eine kleine, aber feine Südterrasse vorlagert, von der das prachtvolle Stift Göttweig betrachtet werden kann, das Schlafzimmer der Eltern mit angeschlossenem Schrankraum, ein großzügiges Badezimmer mit Wanne und Dusche sowie eine zweite, separate Toilette.

Das Satteldach des Hauses wird gedreht, sodass sich die Giebel nun nach Osten bzw. Westen ausrichten. Der First sitzt außerhalb der Mitte, die südseitige Traufe liegt 70 cm höher als jene im Norden, und auch die Dachneigung beträgt einmal 40, einmal 45 Grad, kurzum: ein Hoch auf die Asymmetrie, die im vorliegenden Fall ein Leben hoch unter dem Dach überhaupt erst möglich machte.

 

 


[1] Anmerkung der Verfasserin: Annodazumal hat man es mit Einreichplänen noch nicht so genau genommen.


Erbrachte Leistungen:

  • Vorentwurf
  • Entwurf
  • Einreichplanung inkl. Bauphysik (Energieausweis)