Fleckhaus | Eisenstadt


Neu gewonnene Wohnnutzfläche: 119,93 m²
Heizwärmebedarf: 61,69 kWh/m²a
Ort: Eisenstadt, Burgenland
Besonderheiten: Denkmalschutz, Dachausbau
Status: Fertigstellung 10/2020
Ausführende Partner: Holzbau Franz Gollubits GmbH & Co KG, Teerag-Asdag GmbH (Baumeister), Woschitz Engineering GmbH (Statik), Baustoffgroßhandel Michael Koch Ges.m.b.H (Fenster), Teuschler GmbH Sanitär & Heizungstechnik GmbH, Elektro Kager GesmbH, RALmetall – Albert Raditsch (Schlosserarbeiten), Tischlerei Ernst, Polstermüller (Türen, Stufen, Parkett), Steinmetzmeister Pauleschitz GmbH, Fliesen Haider GmbH


An der Ecke Fanny Elßler Gasse und der Hauptstraße gelegen prägt das »Fleckhaus« maßgeblich das Bild der Eisenstädter Fußgängerzone.

Seinen Namen verlieh dem Haus eine einst im Erdgeschoß des Hauses untergebrachte Schuhhandlung bzw. die dieses betreibende Schuhhaus Fleck GmbH.

Der bauliche Vorgänger des »Fleckhauses«, dessen Charakteristikum ein die Ecke ausbildender, spitz überdachter Turm war, wurde im Spätbarock erbaut, erste fotografische Abbildungen finden sich aus den frühen 1920er Jahren. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Haus weitestgehend zerstört, im Jahr 1949 schließlich neu errichtet. Der markante Eckturm wurde durch einen Erker ersetzt und ein drittes Stockwerk kam hinzu, doch ließ sich die Wiener Architektin Martha Bolldorf-Reitstätter bewusst vom Vorgängerbau beeinflussen.

Das denkmalgeschützte »Fleckhaus« befindet sich heute im Eigentum eines bekannten Eisenstädter Immobilienunternehmens, seit 2011 werden im Erdgeschoß Damenmoden verkauft.

2020 durfte plusminusnull Architektur den von den Eigentümern gewünschten Dachausbau planen und realisieren.

Um die neuen, direkt unter dem alten Dach gelegenen Räumlichkeiten zu belichten, wurden in enger Absprache mit dem Bundesdenkmalamt fünf Gauben errichtet, zwei in Richtung der Fanny Elßler Gasse, drei in Richtung der Hauptstraße. Hofseitig nützte der Entwurf den größeren gestalterischen Spielraum, um den einen Teil des Daches zwecks Errichtung einer Terrasse auszuschneiden, und den anderen aufzuklappen, um an Raumhöhe und somit auch an nutzbarer Fläche zu gewinnen. 

Der zweite Kardinalpunkt der Planung bestand in der Errichtung eines Aufzugs, mit Hilfe dessen sowohl die beiden Obergeschoße als auch das neu ausgebaute Dachgeschoß barrierefrei erreicht werden können sollten. Der oft gesehene Anbau eines gläsernen Liftschachts im Hof kam nicht in Frage, da das Gelände hofseitig stärker als augenscheinlich wahrgenommen anstieg, gleichzeitig aber der Platz für den Bau einer Rampe mit nur 6% Gefälle nicht vorhanden war, sodass nun der Aufzug selbst nicht barrierefrei zu erreichen gewesen wäre, was seine Errichtung ad absurdum geführt hätte. Blieb also nur die Möglichkeit, den Aufzug einzubauen, wobei die Herausforderung hier darin bestand, den geeigneten Platz zu finden. Der neue Lift musste barrierefrei - und daher von der Straße aus - zugänglich sein, er sollte die oberen Stockwerke so erschließen, sodass die darin untergebrachten Räumlichkeiten weiterhin sinnvoll genutzt werden konnten, darüber hinaus forderte der Denkmalschutz einen möglichst gering zu haltenden Eingriff in das historische Erscheinungsbild.

Der nachträglich eingebaute Lift wird all diesen Anforderungen gerecht, und fügt sich so geschickt in den gegebenen Raum ein, dass er neue Besucher des Fleckhauses kaum daran zweifeln lässt, immer schon dagewesen zu sein. Über einen dem Nachbarhaus in der Fanny Elßler Gasse zugeordneten Durchgang und einen kleinen Vorraum erreichen nun auch Rollstuhlfahrer die neue Liftanlage. Gegenüber dem Treppenhaus gelegen verbindet sich der neue Lift mit den bereits vorhandenen Erschließungsgängen, und ein bewusst sehr niedrig gehaltener Schachtkopf sorgt dafür, dass der Lift unter der alten Substanz verborgen bleibt.  

Zusätzlich zu Dachausbau und Lifteinbau leitete plusminusnull Architektur auch den Umbau der beiden Obergeschoße, wo nach den Wünschen neu gefundener Mieter Büroräumlichkeiten teilweise renoviert, teilweise neu geschaffen und gestaltet wurden. Im Dachgeschoß findet sich die Gemeinschaftsordination eines Psychiaters und zweier Psychotherapeuten.


Erbrachte Leistungen:

  • Vorentwurf, Entwurf
  • Einreichplanung, inkl. Bauphysik (Energieausweis)
  • Polierplanung
  • Ausschreibung
  • Örtliche Bauaufsicht